2002 divertimentoAuch mit 70 noch frisch: Orchester Divertimento Bern

Das Orchester Divertimento Bern gehört zweifelsohne zu den kreativsten Laienensembles in der Bundesstadt. Da würde man nicht erwarten, dass das ehemalige KV-Orchester 2020 schon 70 Jahre alt wird.

Agnes Brunner-Kilchör — Im Jahre 1950 gründeten sieben junge Streicher, unterstützt vom Kaufmännischen Verband Bern, das Orchester der Kaufmännischen Berufsschule Bern (KV-Orchester). Als Gegenleistung spielte das rasch wachsende Ensemble an den Diplomfeiern der Berufsschule. Nach rund 40 Jahren musste der Kaufmännische Ver-band die Verbindung auflösen: Das KV-Orchester wandelte sich zum Orchester Divertimento Bern.

Seit 2012 wird das Orchester von der Irin Clíodhna NíAodáin mit viel Engagement und grossem musikalischem Einfühlungsvermögen geleitet.

Von Anfang an hatte sich das Orchester, gefördert von Dirigenten wie Walter Kropf, dem 2. Konzertmeister des Berner Symphonieorchesters Paul Moser, Lorenz Hasler und Ferenc Szedlák von I Salonisti und später der Dirigentin Chantal Wuhrmann, erfreulich entwickelt. Regelmässige Konzerte, auch gemeinsam mit Chören, gehörten ins Programm und festigten den Zusammenhalt im Orchester.

Seit jeher bestrebt, neue Wege zu beschreiten

Immer noch legendär ist die Mit-wirkung der Streicher 1985 bei der Lustigen Witwe von Franz Lehár im Stockalper-Palast Brig. Verbindend waren das familiäre Zusammen-sein, zahlreiche Ausflüge und Ski-Wochenenden. Im Juni 2002 wurde das Orchester zusammen mit dem Pianisten Thomas Gerber für ein Konzert im KKL Luzern engagiert, welches von grossem Erfolg gekrönt war. Mit dem Anlass Beschwingtes Wien im Jahr 2007 unter der Leitung von Paul Moser und im Jahr 2009 mit dem Singspiel Die beiden Pädagogen von Felix Mendelssohn wurden Schritte in eine andere Musikrichtung gewagt.

Die Zahl der Mitspielerinnen und Mitspieler hat sich in den vergangenen Jahren auf rund 40 Mitglieder erhöht. Die gute Besetzung aller Register erlaubt dem Orchester auch grössere, anspruchsvolle Werke aufzuführen. Das Repertoire erstreckt sich vom Barock bis in die Moderne. Seit jeher bestrebt, neue Wege in der klassischen Musik und deren Vermittlung zu beschreiten, werden, neben den grossen klassischen Komponisten, immer wieder auch unbekanntere Werke aufgeführt sowie spartenübergreifende Projekte erarbeitet.

Als experimentierfreudiges Ensemble etabliert

Clíodhna Ní Aodáin hat seit der Übernahme der Leitung des Orchesters nicht nur die spielerischen Fähig-keiten der Mitglieder weiter gefördert, sondern auch neue Ideen für auserlesene Projekte eingebracht. Zusammenarbeiten mit dem englischen Music Comedy-Paar Carrington-Brown, mit der Tigerbande (Kinderorchester des Konservatoriums Bern), mit dem Jazztrio Jütz und jüngst mit Shirley Grimes, ihrer Band und dem One River Voices Choir zeigen, dass Divertimento keine Berührungsängste kennt.

Das ehemals kleine KV-Orchester hat sich als stabiles und experimentierfreudiges Ensemble etabliert, das mit seinen klassischen Sinfonie-konzerten und den spartenübergreifenden Projekten einen festen Platz in der Kulturlandschaft von Bern hat und sich zunehmender Bekanntheit erfreut. 2020 feiert Divertimento nun sein 70-jähriges Bestehen.

Zum runden Jubiläum werden am 22. und 23. Februar 2020 im Yehudi Menuhin Forum Bern die Sinfonie Nr. 82 von Joseph Haydn Der Bär und das Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven mit den Solisten Annemarie Dreyer (Violine), Matthias Schranz (Violoncello) und Thomas Gerber (Klavier) aufgeführt. Im Sommer 2020 wird in Belp und in der Orangerie Elfenau in Bern eine eigens für das Orchester geschriebene Komposition von Matthias Wenger, bekannt als Saxofonist des Jazzsextetts Hildegard lernt Fliegen, gespielt, welche in ein Werk von Johann Sebastian Bach mit nachfolgendem Improvisationsteil eingebettet sein wird. Das Orchester Divertimento Bern freut sich darauf, zum Jubiläum sein breites musikalisches Spektrum mit einem interessierten Publikum zu teilen.

www.divertimento-bern.ch