2003 coronaOrchesterleben im 2020 - eine Bilanz

Die EOV-Orchester konnten 2020 nur die Hälfte der üblichen Proben und ein Viertel der Konzerte durchführen. Die Motivation ist aber kaum gesunken und die finanzielle Situation ist bei den meisten Vereinen stabil, wie eine stichprobenartige Umfrage zeigt.

Bild: Das motivierte Holzregister des Kammerorchesters Bülach bei der Wiederaufnahme der Proben im Juni 2020.

Niccolà Schaub – Die Auswertung der EOV-Orchesterdatenbank zeigt nüchtern, was wir bereits wissen: 2020 fanden im Vergleich mit den letzten beiden Jahren nur 50 Prozent der Proben und 23 Prozent der Konzerte statt. Positiv interpretiert: Sofern die Anordnungen des Bundesrats und der Kantone es zuliessen, haben die die Amateur- und Jugendorchester des EOV geprobt.

Den Eindruck der hohen Motivation der Orchester über alle Altersgruppen hinweg hat eine nicht-repräsentative Mitgliederbefragung im Januar 2021 durch den EOV-Vorstand bestätigt. Einige Orchester bieten unter der Leitung des Dirigenten oder der Dirigentin Proben für Kleinformationen an. Die Begeisterung für solche Formate gegenüber von Tutti-Proben hält sich aber bereits in Grenzen. Bei der Mehrheit der Musizierenden in unseren Mitgliederorchestern dürfte die Musik im Alltag momentan zu kurz kommen. Es darf gehofft werden, dass sobald die Umstände wieder einen langfristig planbaren Probenbetrieb erlauben, das Orchesterleben schnell wieder so aufleben wird, wie wir es kennen und schätzen.

Grosse Projekte als finanzieller Stolperstein

Die meisten Orchester finanzieren sich über Aktiv- und Passivmitgliederbeiträge, teilweise ergänzt durch Förderbeiträge der Gemeinden oder Kantone. Ausgaben für Konzerte sind 2020 kaum angefallen. Bei der Entlöhnung der Dirigentinnen und Dirigenten haben die Orchester individuelle Lösungen gefunden. Bemerkenswert erscheint, dass viele Orchester aus Solidarität trotz deutlich reduzierter Aktivität die Löhne weiterbezahlt haben. 69 EOV-Orchester haben zudem von den Finanzhilfen des Bundes Gebrauch gemacht (Stand Oktober 2020).

Finanziell hart getroffen hat es Orchester, die grosse Projekte aufgegleist hatten. So hatte beispielsweise das Aarauer Studentenorchester ASTOR, welches sich nur über Kollekten finanziert, die Teilnahme am Jugendorchesterfestival in Amsterdam und diverse Probewochenenden geplant und bereits Anzahlungen im vierstelligen Bereich geleistet. Die Finanzhilfe des Bundes von rund 1000 Franken sind in diesem konkreten Fall nur einen Tropfen auf den heissen Stein. Dank dem Entgegenkommen von Unterkunftsanbietern und dem musikalischen Adventskalender im Dezember ist das ASTOR finanziell stabil.